Fernando Pessoa in der Lengfeld'schen Buchhandlung

„Ich wünschte mir, die Lektüre dieses Buches hinterließe bei Ihnen den Eindruck eines wollüstig durchlebten Alptraums.“

Pessoa Unruhe

Der Wunsch des großen Fernando Pessoa (1888-1935), einer Schlüsselfigur der zeitgenössischen Dichtung, nach „einem wollüstig durchlebten Alptraums" könnte in Erfüllung gehen, wenn ab 23. September 2014 eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur in der Lengfeld'schen Buchhandlung „zum Vortrag" kommt. Doch nicht nur ein „Alptraum" ist zu erwarten, sondern auch ein herausragendes Erlebnis, ganz große Dichtung „wollüstig" zu hören.

Denn „Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Fernando Soares", ein Klassiker der portugiesischen Literatur, ist ein literarisches Ereignis schlechthin. Für Pessoa allerdings waren das Leben und das Buch eher – wie er einmal selbst aussagte - eine Art Kampf, in dem er seine träumerische Innenwelt mit dem praktischen Leben in Einklang zu bringen versuchte. Und: „Die Welt gehört dem, der nicht fühlt. Die Grundvoraussetzung, um ein praktischer Mensch zu werden, ist der Mangel an Sensibilität".

So ist diese „Autobiographie ohne Ereignisse", an der Pessoa über 20 Jahre gearbeitet hat, und die erst im Jahre 1982 veröffentlicht wurde, eigentlich ein trauriges Buch, das von der Gedankenwelt des Hilfsbuchhalters Soares und von der weißen Stadt am Meer, Lissabon, wo sich Traum und Sehnsucht treffen, erzählt. Und von der Saudade, dieser einzigartigen Melancholie, die Pessoa sprichwörtlich gemacht hat.

„Meine Seele ist ein verborgenes Orchester; ich weiß nicht, welche Instrumente, Geigen und Harfen, Pauken und Trommeln es in mir spielen und dröhnen lässt. Ich kenne mich nur als Symphonie", heißt es an einer Stelle in diesem wunderbaren Buch. In einer der schon legendären Langzeit-Lesungen (nach Proust und Johnson) der Lengfeld'schen Buchhandlung wird Helge Heynold diese „Symphonie" zum Klingen bringen. Er wird das gesamte „Buch der Unruhe" an 24 Abenden lesen.

Helge Heynold, Sprecher, Regisseur und Redakteur, hat bereits Pessoa (und anderes) in der Buchhandlung gelesen. Er wird nun seine Stimme dem Hilfsbuchhalter Fernando, dem Halbheteronym des großen Autors, leihen. Ihm ist die Pessoa'sche „Sensibilität" gegeben, um den großartigen Texten, den faszinierenden Sentenzen, der Gedankenwelt Fernando Pessoas einen angemessenen Ausdruck zu verleihen.

In den Kontext zur Lesung steht ein Vortrag unter dem Titel „Die Perspektiven des Dichters – Pessoa und seine Heteronyme", den der Kölner Romanist Prof. Dr. Helmut Siepmann am 21. Oktober 2014, ebenfalls in der Lengfeld'schen Buchhandlung halten wird. Er wird maßgeblich zum Verständnis des Dichters und damit auch zum „Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Fernando Soares" beitragen.

© Günter Nawe

 

Fernando Pessoa, "Das Buch der Unruhe", komplett gelesen von Helge Heynold

Beginn der Langzeitlesung: 23. September 2014, 19.30 Uhr, gegenüber der Buchhandlung im Museum für Angewandte Kunst Köln

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