„Ich übergebe der Flamme die Schriften von ... “ Aus Anlass der Bücherverbrennung 1933

Kästner Verbrennen

 

Am 10. Mai 1933 – also vor 80 Jahren - fanden auf dem  Berliner Opernplatz und in 21 weiteren Städten in Deutschland Bücherverbrennungen statt. Ein barbarischer Akt, der ohnegleichen war. Und es sollte sich nur wenig später auf furchtbare Weise der Satz bewahrheiten: „Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen“.

 „Ich übergebe der Flamme die Schriften von…“, klang es über den Berliner Opernplatz. Und es folgten die Namen von Heinrich Mann, Siegmund Freud, Theodor Wolff, Alfred Kerr, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Bertolt Brecht, Irmgard Keun und vielen anderen bedeutenden Schriftstellern. Die Liste ist erschreckend lang. Und Erich Kästner stand auch darauf.

 „Hans Wilhelm und ich standen an der braunen Studentenmauer, die sich … gebildet hatte. Für den Höhepunkt der Veranstaltung aufbewahrte Pechfackeln wurden angezündet… war der Scheiterhaufen angezündet. … Dort steht ja Kästner!“, rief plötzlich eine junge Frau… Ihre Überraschung, mich sozusagen bei meinem eigenen Begräbnis unter den Leidtragenden zu entdecken, war groß… Das war mir, muss ich bekennen, nicht angenehm.“ So der lakonische Augenzeugen-Bericht von Erich Kästner in dem kleinen Büchlein „Über das Verbrennen von Büchern“.

 In diesem Band sind erstmals vier Texte versammelt, in denen Erich Kästner erzählt, was 1933 – und danach wieder – geschah, wie es geschah und warum es geschah. Und so ist dieses kleine Buch, sind diese Texte mehr als nur eine Erinnerung. Sie sind eine Mahnung. Denn: „Die Flammen dieser politischen Brandstiftung würden sich nicht löschen lassen“.

In der Tat: Die Flammen loderten weiter, Bücher wurden weiter verbrannt. Unter der Überschrift „Lesestoff, Zündstoff, Brennstoff“ erinnert Erich Kästner an eine Bücherverbrennung die am 3. Oktober 1965 in Düsseldorf stattfand. Eine Jugendgruppe des „Bundes Entschiedener  Christen“ verbrennt mit Genehmigung des Ordnungsamtes Bücher unter anderem von Günter Grass, Vladimir Nabokov, Albert Camus – und Erich Kästner.

Erich Kästners „Über das Verbrennen von Büchern“ ist mehr als ein Buch, das nur „Aus gegebenem Anlass“ gelesen oder wieder gelesen werden sollte. Es ist eine Mahnung, die den Lesern permanent gegenwärtig sein müsste. Besonders im Sinne des „Wehret den Anfängen“. Auch wenn Erich Kästner einen „Trost“ bereithält: „Mit solchen Methoden kann man zwar ein Volk vernichten, Bücher aber nicht. Sie sterben nur eines natürlichen Todes. Sie sterben, wenn ihre Zeit erfüllt ist. Man kann von ihrem Lebensfaden nicht eine Minute abschneiden, abreißen, absengen. Bücher, das wissen wir nun, kann man nicht verbrennen.“

 © Günter Nawe

 Erich Kästner: "Über das Verbrennen von Büchern", Atrium Verlag, 10,- Euro