„Unlebbarkeit der Liebe in der Welt“. Holger Noltzes Buch über Wagner, Verdi und uns

Aus gegebenem Anlass und damit rechtzeitig zu den beiden Jubiläen - vor 200 Jahren wurden  sowohl Richard Wagner als auch Giuseppe Verdi geboren – ist das Buch „Liebestod: Wagner. Verdi. Wir.“ des bekannten Musikjournalisten und Professors für Musik und Medien an der Universität Dortmund Holger Noltze erschienen.

Und aus eben diesem gegebenen Anlass wird das Buch am 9. April 2013 in der Stadtbibliothek Köln vorgestellt (nähere Informationen finden Sie hier). „Liebestod“ – über ihn und damit über Wagner, Verdi und uns wird sich Holger Noltze mit dem Intendanten der Kölner Philharmonie Louwrens Langevoort  unterhalten.

Die Werke der beiden Heroen der Operngeschichte, die nach wie vor aus unterschiedlichsten Gründen polarisieren, gehören bis heute zum Repertoire aller großen und kleinen Bühnen. Holger Noltze führt den Leser zu den wichtigsten Stationen ihres Lebens und ihrer Werke. Er unternimmt den – letztlich gelungenen – Versuch, den Grund  für die Faszination deutlich zu machen, die diese Persönlichkeiten und ihre Werke bis heute ausüben. Noltze stellt das Leben der beiden Komponisten auch in den Kontext der Zeitgeschichte, der politischen und sozialen Bewegungen und erklärt, wie sich oft Leben und Werk bedingen.

Wagner war eher der Revolutionär, Verdi der Patriot – so Holger Noltze. „Rienzi“ und „Nabucco“ stehen für die These des Autors. Wagner – so Noltze – ist vorerst gescheitert; Verdi hat eine großartige Karriere hingelegt. Beide lebten und komponierten sozusagen „nebeneinander“, sind sich aber persönlich nie begegnet. Der Autor hat dennoch dank gründlicher Recherche festgestellt, dass es doch die eine und andere „Beziehung“ der beiden gab. Sie haben sich auf jeden Fall zur Kenntnis genommen.

Der Fokus der Arbeit von Holger Noltze aber liegt auf dem „Liebestod“, der oft genug das Thema der Werke ist – sei es  bei „Tristan und Isolde“, sei es bei „Otello“, um nur die beiden zu nennen. Es geht immer um das Scheitern der absoluten Liebe und um die „Unlebbarkeit der Liebe in der Welt“. Und weiter: „Wagner aber erfindet seinen Liebenden eine neue Welt, und auch wenn dies ein Todesplanet ist: dahin immerhin sind noch Himmelsfahrten möglich. Verdi dagegen lenkt den Blick auf das Grabgewölbe, das Aidas und Radames’ letztes Stück Welt geworden ist.“

Und damit wären wir beim „Wir“ im Untertitel des durchweg interessanten und spannenden Buches von Holger Noltze. Warum faszinieren uns die Opern bis heute? Was machen sie mit uns, wenn wir sie hören? Beide – Wagner und Verdi – bedienen jeder auf seine Weise unser Gefühlsleben. Und wer dies erfahren will, muss ihre Werke hören,  „muss hinab auch in die Kellergeschosse unserer Gefühle…“. Und wenn wir das tun, erfahren wir, dass uns die Figuren der beiden Komponisten „auf Ebene fundamentaler Wünsche, Träume, Sehnsüchte…“  sehr nah sind.

© Günter Nawe

 Holger Noltze: „Liebestod. Wagner. Verdi. Wir.“ Hoffmann & Campe, 24,99 Euro