Zum 90. Todestag von Marcel Proust am 18. November 2012

Ein Buch und eine Gesellschaft

Marcel Proust in Bildern und Dokumenten
„Marcel Proust in Bildern und Dokumenten"
Georg Olms Verlag
49,95 €

Samstag, 18. November 1922: Marcel Proust stirbt um halb fünf Uhr nachmittags im Alter von 51 Jahren. Sechzig Jahre später – also 18. November 1982 – werden Reiner Speck und andere Proustianer in Köln die Marcel-Proust-Gesellschaft gründen. Eine Gesellschaft, die sich mit Symposien und Publikationen um das Werk eines des bedeutendsten Schriftstellers der Moderne verdient gemacht und hohes Ansehen weltweit errungen hat.

Am 18. November  2012 wiederum erscheint aus Anlass des 90. Todestages „Proust in Bildern & Dokumenten“, herausgegeben von Patricia Mante-Proust, der Großnichte Prousts, und mit Texten von Mireille Naturel. Eine großformatige, opulente und prächtige Bildbiographie, die sich als eine willkommene Ergänzung jeder Proust-Bibliothek empfiehlt, die Freude am Schauen macht und zum Lesen auffordert.

Das allerdings sei gesagt: Es ist keine kritische Auseinandersetzung mit Leben und Werk dieses einzigartigen Schriftstellers. Wer das sucht, muss zu anderen Büchern greifen. Auch der Bildteil verspricht wenig neue Entdeckungen. Ein sehr ansprechendes Aquarell von Pascal Lecocq ist allerdings zu sehen, das die Herausgeberin mit ihrem Großonkel zeigt. Überhaupt aber ist der Bildteil von ausgezeichneter Qualität und erfreut des Proustianers Herz.

Freude wird der Leser auch an den Texten haben. Die Autorin sucht und versucht einen neuen Zugang zu Leben und Werk des literarischen Genies. Mireille Naturel greift wichtige Themenbereiche Leben und Werk Marcel Proust heraus, um sie dann im Zusammenhang mit Abbildungen und Fotos zu setzen. So schreibt sie über „Die Düfte, Farben und Klänge in der Sprache der Sinne vereint“. In „Kaleidoskop eines Lebens“ besucht die Literaturwissenschaftlerin, die sich mit einer Arbeit über Proust habilitiert hat, Auteuil und Illiers; sie erzählt von „Onkel Adolphe und die Dame in Rosa“; sie führt den Leser zum Kirchturm von Combray und zeigt ihm einmal mehr Pré-Catelan“. Es gibt Abschnitte, die sich „Porträts in Worten und Bildern“ widmen, die von „Freuden und Tagen“ handeln und „Über das Lesen“.

Vielfalt und Fülle belegt dieser Band sowohl im Bild- als auch im Textteil. Dokumente aus Familienbesitz, eine Unzahl von Fotos, Auszüge aus Briefen und bisher nicht veröffentlichten Manuskriptseiten. Er gibt einen gelungenen Überblick über Lebensstationen Proust und verbindet sie mit bedeutenden Passagen aus seinem Werk. Und er macht Lust auf mehr.

Mehr darüber und über Proust überhaupt wird wohl einer der besten Kenner dieses Jahrhundertautors zu erzählen wissen: Reinhard Pabst, der am 9. Dezember, 11:30 Uhr in der Lengfeld’schen Buchhandlung „Marcel Proust in Bildern & Dokumenten“ vorstellen wird. Zur Sprache kommen werden dabei jedoch auch ganz unbekannte Dinge: über die Proust-Fragebögen, über Prousts Locken und vieles andere mehr. Und: Reinhard Pabst wird sein historisches Koffergrammophon mitbringen, auf dem er Schellackplatten mit Originalaufnahmen von Reynaldo Hahn vorspielt. Die älteste stammt aus dem Jahre 1909.  Ein weiteres interessantes Ereignis also im direkten Zusammenhang mit dem 90. Todestag Marcels Prousts.

© Günter Nawe

Patrica Mante-Proust [Hrsg.], Marcel Proust in Bildern und Dokumenten. Georg Olms Verlag, 49,95 €