Reinhard Lauer:
„Aleksandr Puškin - Eine Biographie“

„Ich bin nicht für das Glück geboren…“ Vor 175 Jahren starb der russische Dichter – bei einem Duell

Alexander Puschkin
Reinhard Lauer: „Aleksandr Puškin - Eine Biographie“
C.H. Beck
9,95 €

„Aleksandr Puškin ist der größte russische Dichter. Seine Bedeutung in der russischen Literatur ist einzigartig. Nicht nur hat er - entscheidendes Merkmal des klassischen Dichters - in allen Gattungen, in Lyrik, Versepos, Drama, Erzählung, Roman, Geschichtsdarstellung, Essayistik und Publizistik, Werke von bleibendem Werk hervorgebracht...." So der bedeutenden Slawist Reinhard Lauer am Beginn seiner großartigen Biographie über Alexander Puschkin.

Und: Puschkin war zugleich, wie Gudrun Ziegler in ihrer hervorragenden Monographie schreibt, „Bereits zu Lebzeiten... Legende: Rebell, Verbannter, Spaßvogel und einsam; belastet mit dem Nimbus eines genialen Poeten."

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir haben aber also allen Grund, aus Anlass seines 175. Todestages einmal mehr auf diesen Dichter von weltliterarischem Rang aufmerksam zu machen.

Geboren wurde Alexander Sergejewitsch Puschkin am 26. Mai 1799 in Moskau. Gestorben ist er an den Verletzungen infolge eines Duells am 29. Januar 1837. Zwischen diesen beiden Eckdaten verlief ein unstetes Leben: Ausbildung in einem Lyzeum in Zarskoe Selo, Tätigkeit als Diplomat in zaristischen Diensten in St. Petersburg, Ausweisung und Versetzung in Russlands Süden, Exil in Michailowskoje, 1826 Moskau, dann wieder St. Petesburg, Malinniki, Moskau, Kaukasus ... und so fort. 1831 heiratete Puschkin Natalja Nikolajewna Gontscharowa, 1832 Übersiedlung nach St. Petersburg, Abschied aus dem Dienst des Zaren. Und am Ende infolge einer Intrige das Duell mit d'Arthez.

Drei Leidenschaften hatte Alexander Puschkin: Freiheit, die Dichtung und ein wenig auch die Frauen. Sein Freiheitsbedürfnis drückt sich nicht nur in seinem unsteten Lebenswandel aus, sondern auch in der Beteiligung an politischen Aktivitäten - zum Beispiel bei den Dekabristen, in anderen Geheimbünden. Mit Folgen wie Exil, Verbannung und Versetzung. „Wird die Stunde meiner Freiheit kommen?", schreibt er. Sie kam nie so recht.

Seine Leidenschaft für die Dichtung brachte ihm, wenn auch nur bedingt zu Lebzeiten, den Ruhm. Und seine „Leidenschaft" für die Frauen den Tod im Duell. „Wozu dient mir das Leben? Ich bin nicht für das Glück geboren. / ich bin nicht geboren für die Freundschaft, fürs Vergnügen.", heißt es an einer Stelle. Nein, er war wohl nicht für das Glück geboren.

Für die Poesie war er allerdings geboren, für die Literatur. Dafür steht das umfangreiche Werk des genialen Dichters: Epen, Gedichte, Erzählungen, kleine Romane. Puschkin beschreibt sich und seine Poesie so: „... denn die Poesie ist eine außerordentliche Leidenschaft von wenigen, die als Poeten geboren werden; sie umfängt und verschlingt alle Beobachtungen, alle Bemühungen, alle Eindrücke ihres Lebens.". Das Ergebnis seiner „außerordentlichen Leidenschaft" sind meisterhafte Poeme und Gedichte, die nicht nur in der russischen Literatur einzigartig sind und in der Weltliteratur ihren Rang bis heute behaupten.

Ein Beispiel für seine Liebeslyrik - das Gedicht „An Laïs":

Ich liebe deinen Blick, so frei und voller Kraft,
Die unlöschbareGlut des unverhüllten Dranges,
Das Feuer deines Überschwanges
Die Worte voller Leidenschaft,
Ich lieb den stiummen Ruf aus deinem heißen Munde
Des Lebens Rausch, des Rausches Wunde.

Der Versroman „Eugen Onegin" (1823-1830) ist als sein Hauptwerk ein - wenn man so sagen darf - komplexes poetisches Werk und eine hinreißende romantische Geschichte. Mit „Ruslan und Ljudmila" ist dem noch jungen Dichter ein märchenhaftes Epos, etwas völlig Neues in der russischen Literatur, gelungen. „Boris Godunow" (1825) ist eine dramatische Chronik um den Zaren Boris, also eine Art historischen Dramas. Alle drei Werke wurden zu Libretti für Opern - kongenial komponiert von Peter Tschaikowski, von Michail Glinka und Modest Mussorgski.

Mit dem historischen Roman „Die Hauptmanstochter" um den Donkosaken Pugatschow, Anführer eines nach ihm benannten Bauernaufstands von 1773-1775, erwies sich Alexander Puschkin als hervorragender Romancier und Erzähler. Das gilt auch für die Erzählungen „Pique-Dame", „Dubrowski" und „Die Geschichten des verstorbenen Iwan Petrowitsch Belkin" sowie viele andere.

Sich mit diesen großartigen Werken zu beschäftigen ist immer Freude und Gewinn.

© Günter Nawe

Puschkin: „Gedichte Russisch-Deutsch“
Reclam Verlag, 4,60 €

Puschkin: „Pique-Dame und andere Erzählungen“
Manesse Verlag, 22,90 €

Puschkin: „Die Hauptmannstochter“
Insel Verlag, 7,- €

Reinhard Lauer: „Aleksandr Puškin - Eine Biographie“
C.H. Beck, 9,95 €

Gudrun Ziegler: „Alexander S. Puschkin in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“
Rowohlt Verlag, 8,95 €