Hans Fallada: „Jeder stirbt für sich allein“

Vom Widerstand der kleinen Leute. Der große Roman des Hans Fallada

Fallada Jeder stirbt
Hans Fallada: „Jeder stirbt für sich allein“
Aufbau Verlag
19,95 €

„Aus gegebenem Anlass" ist diesmal auf das Erscheinen eines außergewöhnlichen Buches hinzuweisen: auf Hans Falladas großartigen Roman „Jeder stirbt für sich allein." Hans Fallada (1893-1947), mit bürgerlichen Namen Rudolf Ditzen, hat dieses Buch 1946 in weniger als vier Wochen geschrieben. Er hat es im Morphium- und Alkoholrausch, bereits auf den Tod erkrankt, verschuldet und verarmt, geschrieben - und sich selbst damit in die Weltliteratur.

Es ist die Geschichte des realen Ehepaars Otto und Elise Hampel, das auf Postkarten vor Hitler und den Nazis warnte und dafür hingerichtet wurde. Johannes R. Becher hat Fallada auf diesen Stoff aufmerksam gemacht, der aber erst einmal zurückschreckte; „Einmal wegen der völligen Trostlosigkeit des Stoffes: zwei ältere Leute, ein von vornherein aussichtloser Kampf, Verbitterung, Hass, Gemeinheit, kein Hochschwung. Das will mir nicht so recht munden und würde doch eine recht erzwungene Sache." (Hans Fallada)

Dann aber doch. Und aus der „erzwungenen Sache" wurde eines der besten Bücher über den deutschen Widerstand im Dritten Reich. Im Mittelpunkt dieses Romans stehen die Quangels, mehr oder minder „anständige Mitläufer", die sich entschließen, nach dem Tod ihres einzigen Sohnes zum Widerstand der kleinen Leute gegen die, die diesen Tod und viele, viele andere Tode, zu verantworten haben: Mit der Verteilung von Postkarten, auf denen sie Botschaften formulieren, die vor den Nazis warnen.

Dass dieses Unterfangen ein trauriges Ende nehmen wird, ist vorauszusehen gewesen. Sie wollten es aber nicht wahrhaben, sie träumten vom Erfolg. Und es ist rühend zu lesen, wie sich die beiden einfachen Menschen in der Gefahr auch wieder stärker zueinanderfinden.

Weniger rührend ist das Leben um sie herum. Fallada hat auf bisher nie zuvor gelesene Weise das Leben der einfachen Menschen im Berlin der Nazizeit und unter der braunen Diktatur beschrieben - und die Mechanismen der Macht in all ihrer bedrohlichen und schrecklichen Dimension.

Und die sollten Anna und Otto Quangel auch bald zu spüren bekommen. Längst sind ihnen die Schergen auf der Spur. Sie werden - wie im wirklichen Leben Otto und Elise Hampel - am Ende hingerichtet.

Der Roman wurde erstmals 1947 in der damaligen Sowjetzone - auf Linie gekürzt und nach erheblichen Eingriffen - veröffentlicht. Jetzt, nach über 60 Jahren, liegt dieses „literarische Großereignis" (New York Times) in seiner Originalfassung vor. „Die erzwungene Sache" ist auf Anhieb zu einem internationalen Bestseller geworden.

 

© Günter Nawe

Hans Fallada: „Jeder stirbt für sich allein“
Aufbau Verlag, 19,95 €