Vor 60 Jahren starb der französische Literatur-Nobelpreisträger André Gide

Mit unerschrockener Wahrheitsliebe.

André Gide
André Gide

Eines seiner besten Werke ist der 1914 publizierte Roman „Les Caves du Vatikan" (dt. „Die Verliese des Vatikan") - ein kunstvoller Roman über den jungen Kosmopoliten Lafcadio Wluiki - und ein Meisterstück der Ironie, das von zwei französischen Familien und Papst Leo XIII., der nach einem Gerücht in den Verliesen des Vatikans gefangen gehalten wird, handelt.

1947 erhielt der französische Schriftsteller André Paul Guillaume Gide, er wurde am 22. November 1869 geboren, den Nobelpreis „für sein umfassendes, künstlerisch bedeutendes Werk, in dem menschliche Probleme und Verhältnisse mit unerschrockener Wahrheitsliebe und scharfem psychologischem Blick dargestellt werden", so die Begründung des Nobelpreis-Komitees.

Weitere Werke, die unter diesem Gesichtspunkt wieder gelesen werden können und sollten, sind „Die Falschmünzer" (1925); ein Roman, der als ein beispielhaftes Werk der literarischen Moderne angesehen werden kann. 1891 veröffentlichte André Gide „Cahiers d'André Walter", in denen die romantischen und religiösen Gefühle eines jungen Mannes beschrieben werden. Persönliche Freiheit und Selbstverantwortung sind Themen, die in den Romanen „Der Immoralist" und „Die enge Pforte" abgehandelt werden. Gidé vertrat Moralbegriffe, die im Gegensatz zu herkömmlicher Moral standen, und die seine Abneigung gegen tradierte Konventionen bestimmten.

Seinen endgültigen Ruhm erlangte Gidé mit seinen Tagebüchern „Stirb und werde", „Et nunc manet in te" und „Intimes Tagebuch". „Ich weiß im Übrigen, wie sehr ich mir schade, dies und alles Folgende zu erzählen: ich sehe voraus, wie man es gegen mich wird verwenden können. Aber mein Bericht hat nur Sinn, wenn er der Wahrheit entspricht." So steht es in „Stirb und werde". Eine Wahrheit über sein Leben, seine Freundschaften, seine Homosexualität und seine Ehe. Protest blieb nicht aus. Die katholische Kirche setzte sein Werk auf den Index verbotener Bücher - das alledings erst 1952, also posthum.

Der Akzeptanz und der Rezeption seiner Werke, zu denen auch bedeutende Versdramen gehören, tat dies keinen Abbruch. André Gide ist und bleibt ein Klassiker der französischen Literatur und eine Autor von weltliterarischem Rang.

André Gide starb am 19. Februar 1951 - vor 60 Jahren - in Paris.

© Günter Nawe