Zum 80. Geburtstag von E.L. Doctorow

Ein Gigant der amerikanischen Literatur.

E.L. Doctorow
E.L. Doctorow

Schon mit seinen frühen Romanen hat Edgar Lawrence Doctorow literarisches Aufsehen erregt. So mit dem Roman „Das Buch Daniel", der 1971 erschien. Mit „Ragtime" (1975) dann hat er sich in die vorderste Reihe amerikanischer Autoren geschrieben. Die Kritik nennt Doctorow in einem Atemzug mit Philip Roth, mit Toni Morrison, John Updike, Saul Bellow und Don DeLillo und spricht davon, dass er „occupies a central position in the history of American literature". Auch in Deutschland, Doctorow war eine Zeit lang als Mitglied der U.S. Army hier stationiert, fanden seine Bücher - vor allem „Ragtime" und „Billy Bathgate" - schnell eine große Lesergemeinde.

Doctorow wurde am 6. Januar 1931 in New York City geboren. Nach seinem Studium unterrichtete er an verschiedenen Universitäten. Er erhielt fast alle nationalen Literaturauszeichnungen. In einem Interview hat er einmal gesagt: „... die amerikanische Literatur ist reich an Giganten." E. L. Doctorow zählt dazu. Und nicht nur, weil er ein exzellenter Autor ist, der gerade durch seinen vermeintlich einfachen Stil auffällt, sondern weil er mit seinen Themen immer wieder den Nerv der Zeit getroffen hat und trifft.

In „Ragtime" steht - wie in anderen Romanen von E. L. Doctorow - eine Familie um die Wende zum 20. Jahrhundert im Mittelpunkt des Geschehens. Es geht um gesellschaftliche Ideale wie Gleichheit und Freiheit, die einmal mehr mit Füßen getreten werden. Dafür herrschen Egoismus, Ungerechtigkeit und Rassismus. Letzteres verspürt vor allem der farbige Jazzpianist Coalhouse Walker. Schon sein Name verweist auf den „Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist. Eine wunderbare moderne Variation.

Der neueste Roman „Homer & Langley" beruht auf einer alten Geschichte. Die Collyer Brothers sind eine Art Mythos, den E. L. Doctorow wieder zum Leben erweckt hat. Es sind zwei Messies, die völlig zurückgezogen leben und jeden Müll, der ihnen in die Finger gerät, sammeln. Doctorow reizte es herauszufinden, warum diese Brüder, die aus einer wohlhabenden Familie stammen, zu Aussteigern wurden. Ihm gelingt dabei ein schonungsloser Blick auf eine Gesellschaft, die den „Müll des Jahrhunderts" produziert hat, der von diesen beiden Verrückten gesammelt wird.

Am 6. Januar ist Edgar Lawrence Doctorow 80 Jahre alt geworden. Ein guter Anlass, sich mit seinen alten und dem neuen Buch zu beschäftigen.

© Günter Nawe

E.L. Doctorow: „Ragtime“
Kiepenheuer & Witsch, 9,95 €

E.L. Doctorow: „Homer & Langley“
Kipenheuer & Witsch, 18,95 €