Literaturnobelpreis 2010
für den Peruaner Mario Vargas Llosa

Mario Vargas Llosa
Mario Vargas Llosa

Und wieder einmal lagen Spekulanten und Wettbüros daneben. Keiner von den genannten Kandidaten ist es geworden. Anders aber als in früheren Jahren dürfte es in diesem Jahr allerdings keine Diskussion über die Stockholmer Entscheidung geben. Der 74-jährige Jorge Mario Pedro Vargas Llosa ist nicht nur unbestritten einer der führenden Schriftsteller seines Landes. Seine literarischen Fähigkeiten und seine politischen Überzeugungen weisen ihn als großen Autor von weltweiter Bedeutung aus. Und so würdigte die Stockholmer Akademie besonders seine Analyse der Machtstrukturen, für die Vargas Llosa immer wieder „messerscharfe Bilder" und „Bilder des individuellen Widerstands" findet.

Bereits 1963 errregte Vargas Llosa literarisches Aufsehen mit dem Roman „Die Stadt und die Hunde". Buch auf Buch folgte. Nicht mehr nur Peru war der Schauplatz seiner Bücher. Zunehmend spielten seine Romane auch in anderen lateinamerikanischen Ländern - und waren schon deshalb und der Situation in diesen Ländern geschuldet auch immer politische Romane. Das sicherte Vargas Llosa einen Platz „zwischen allen Stühlen" - ein Ort, der dem Kämpfer für Menschenrechte und dem ideologiefremden Demokraten angemessen scheint. So gesehen war seine Präsidentschaftskandidatur 1990 nur konsequent.

Mario Vargas Llosa ist vieles zugleich: Romancier, Erzähler, Journalist und Essayist - mit einem umfangreichen, bedeutenden Werk, das bereits weltweit mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Literarisch gesehen vertritt Mario Vargas Llosa die These vom totalen Roman, der die Wirklichkeit in allen Facetten abbildet. Seine Vorbilder: Leo N. Tolstoi und Thomas Mann. Bücher, die diese These belegen, sind „Das grüne Haus" und das „Gespräch in der ‚Kathedrale'". Weitere wichtige und auch in Deutschland viel gelesene Romane: „Tante Julia und der Kunstschreiber", „Das Fest des Ziegenbocks" (2001) und „Das böse Mädchen" (2006).

© Günter Nawe

Melinda Nadj Abonji: „Tauben fliegen auf“

Deutscher Buchpreis 2010 für Melinda Nadj Abonji

Abonji Tauben
Melinda Nadj Abonji: „Tauben fliegen auf“
Jung & Jung Verlag
22,- €

Die Schweizerin Melinda Nadj Abonji hat für ihr Buch „Tauben fliegen auf" den Deutschen Buchpreis 2010 erhalten. Das Buch zeichne mit großem Einfühlungsvermögen - so die Begründung der Jury - „das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch, das mit der Vergangenheit noch lange nicht abgeschlossen hat".

Es ist das zweite Buch der ungarischen Serbin mit dem Schweizer Pass. Damit ist auch das Thema bezeichnet, das dem jetzt ausgezeichneten Roman als Folie dient: Heimat - Emigration - Integration. Dieses Thema, literarisch durchkomponiert am Beispiel der Familie Kocsis, passt in die politische Landschaft, ohne politisch zu sein. „Tauben fliegen auf" ist vielmehr ein Roman über Weggehen und Ankommen; erzählt, wie die Neue Züricher Zeitung schreibt, „mit Humor, pointierter Wehmut und rhythmischem Sound".

Zum ersten Mal hat diesen Preis eine Autorin gewonnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Dass sie diese Sprache in Perfektion beherrscht - der Roman belegt es auf schöne Weise.

© Günter Nawe

Melinda Nadj Abonji: „Tauben fliegen auf“
Jung & Jung Verlag, 22,- €