Johann Gottfried Seume:
„Spaziergang nach Syrakus“

Wo man singt, lass dich ruhig nieder ...
Vor 200 Jahren starb der „Wanderer nach Syrakus“

Johann Gottfried Seume
Eberhard Zänker: „Johann Gottfried Seume“
Faber & Faber
407 Seiten, 12,- €

„Wo man singt, lass dich ruhig nieder.
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singt, wird man nicht beraubt:
Bösewichter haben keine Lieder."

Das dürften wohl die einzigen Verse von ohnehin wenigen des Johann Gottfried Seume sein, die den Weg in die Nachwelt gefunden haben - und nachgerade zum „Volkslied" avanciert sind.

Johann Gottfried Seume (1763-1810) hat sich allerdings mit dem „Spaziergang nach Syrakus" nachhaltig in die Literaturgeschichte geschrieben. Der Sohn eines Landwirts ist am 29. Januar 1763 im sächsischen Poserna geboren. Er studierte Theologie, fiel irgendwann Soldatenwerbern in die Hände und landete im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. 1783 wieder in Deutschland musste er als Musketier dienen, wurde wegen diverser Fluchtversuche mit Spießrutenlaufen bestraft. Nachzulesen in seiner Autobiografie „Mein Leben" - und in der ausgezeichneten Biografie von Eberhard Zänker.

Wissenschaftliche Akribie und umfassende Recherchen zeichnen die - nach etwa hundert Jahren - erste, umfassende und (heute würde man sagen) ultimative Biografie des politischen Autors und kulturpolitischen Reiseschriftstellers Johann Gottfried Seume aus.

Jura, Geschichte, Philologie und Philosophie: Seume war umfassend gebildet, promovierte 1791 zum Magister; habilitierte sich 1792 und reiste nach Russland, wo er Adjutant eines russischen Generals wurde. Er „pendelte" fortan zwischen Russland, Polen und Deutschland in verschiedenen Funktionen. Erste Publikationen erschienen, in denen sich Seume als Vertreter der Spätaufklärung outete und als Gesellschaftskritiker, der vor allem die Verwirklichung der Menschrechte anstrebte. Eberhard Zänker hat sich gerade mit diesem Aspekt von Seumes Leben ausführlich beschäftigt.

Der politische Schriftsteller allerdings stand ganz im Schatten des Reiseschriftstellers. Damals und bis heute. Goethe nannte ihn den „berühmten Wanderer nach Syrakus". 1801 und 1802 war er in Italien unterwegs. Zuvor hielt er sich kurz in Weimar auf, wo er die ganze literarische Prominenz traf. 1803 dann das berühmte Buch „Spaziergang nach Syrakus". Allerdings reiste Seume aus ganz anderen Gründen als zum Beispiel Goethe; ihn interessierten mehr die politischen und sozialen Probleme als die Kunst.

Einfach war das Leben für Seume nicht - davor nicht und nach der Reise auch nicht. Krankheiten, eine unglückliche Liebe und materielle Not konnten ihn allerdings nicht daran hindern, an seiner Autobiografie zu arbeiten. Sie erschien 1813. Johann Gottfried Seume aber starb am 13. Juni 1810 in Teplitz.

© Günter Nawe

Eberhard Zänker: „Johann Gottfried Seume“
Faber & Faber, 407 Seiten, 12,- €