Gustav Mahler zum 150. Geburtstag

Fischer Gustav Mahler
Jens Malte Fischer: „Gustav Mahler. Der fremde Vertraute“
dtv Verlag
26,90 €

Er war nicht nur der bedeutendste Komponist der Spätromantik, er war auch einer der herausragenden Dirigenten seiner Zeit. Und er hat der Nachwelt eine Reihe von wegweisenden Werken hinterlassen - vor allem seine Sinfonien, die von unvergleichlicher Schönheit sind: Gustav Mahler.

Geboren ist Mahler am 7. Juli 1860 - also vor 150 Jahren; gestorben ist er am 18, Mai 1911. Zwischen diesen beiden Daten hat sich ein aufregendes Künstlerleben abgespielt, das auch heute noch Musiker und Musikwissenschaftler, Schriftsteller und Filmemacher zu eigenen Auseinandersetzungen mit diesem Künstler anregt.

Jede Beschäftigung mit Gustav Mahler wird naturgemäß mit seinen Werken, seinen Sinfonien, Chorwerken und seinen Liedern beginnen. Zwangsläufig folgt dann die Lektüre von Biografien, Briefwechseln und Erinnerungen.

© Günter Nawe

Jens Malte Fischer: „Gustav Mahler. Der fremde Vertraute“
dtv Verlag, 26,90 €

Gustav Mahler: „Verehrter Herr College! Briefe an Komponisten, Dirigenten, Intendanten“
Zsolnay Verlag, 24,90 €

José Saramago: „Die Reise des Elefanten“

Zum Tode des portugiesischen Schriftstellers José Saramago

Saramago
José Saramago: „Die Reise des Elefanten“
Hoffmann und Campé
235 Seiten, 19,95 €

Er war ein äußerst eleganter Spötter, ein brillanter Ironiker und ein hervorragender Erzähler, er war ein ausgezeichneter Lyriker, Essayist und Dramatiker: José Saramago. Geboren wurde der portugiesische Schriftsteller am 16. November 1922 in Azinhaga.

Der gelernte Techniker und Autodidakt schrieb erst für Zeitungen, bevor die ersten Bücher erschienen. Vor allem Novellen und Gedichte. Später waren es vor allem seine Romane, die ihm internationale Anerkennung brachten - so zu Beispiel „Hoffnung im Alentejo" (1960) und „Das Todesjahr des Ricardo Reis" (1964).

Für Aufregung sorgte das Buch „Das Evangelium nach Jesus Christus" (1991) des überzeugten Kommunisten und bekennenden Atheisten. Es wurde zum Skandal, der Text als blasphemisch verurteilt. An den literarischen Fähigkeiten José Saramagos konnte und wollte aber keiner zweifeln. So waren viele Literaturpreise - vor allem aber der Literaturnobelpreis 1998 - die logische Konsequenz. Bestätigt nicht zuletzt durch den Roman „Die Stadt der Blinden" und 2004 durch „Die Stadt der Sehenden".

José Saramago war sich zeit seines Lebens treu geblieben: in seinen politischen und gesellschaftspolitischen Auffassungen und in seinem Anspruch an literarische Qualität. Er war beides zugleich - ein politischer Schriftsteller und ein homme de lettres. Er war einer der ganz Großen der portugiesischen Literatur - und wird es bleiben.

Der literarischen Nachwelt hat er am Schluss seines Lebens eine Art Vermächtrnis hinterlassen - den wunderbaren kleinen Roman „Die Reise des Elefanten". Am 18. Juni 2010 ist José Saramago gestorben.

© Günter Nawe

José Saramago: „Die Reise des Elefanten“
Hoffmann und Campé, 235 Seiten, 19,95 €

Karin Andert: „ Monika Mann – Eine Biografie“

Monika Mann – Zum 100. Geburtstag am 7. Juni

Andert Monika Mann
Karin Andert: „ Monika Mann – Eine Biografie“
PIPER Verlag
336 Seiten, 10,99 €

Monika Mann, „das vierte der sechs ungeratenen Kinder" der Großfamilie Mann wäre in diesem Jahr 100 geworden. Ihr ist die große, die brillante Biografie von Karin Andert gewidmet.
Monika Mann (1910-1992) war das „ungeliebte" Kind, das „dumpf-wunderliche Mönle". Sie sollte es das ganze Leben hindurch bleiben. Es war ein fatales Eltern-Kind- und Geschwister-Verhältnis, unter dem Monika zeitlebens zu leiden hatte. So wollte erste einmal aus einer Musiker-Karriere nichts werden. Die Familie schmähte sie, behandelte sie als „Stiefkind".Ihren Vater liebte sie, die Nähe zur Mutter suchte sie. Vergeblich. Wie alle musste sie die Widrigkeiten des Exils ertragen. Das große traumatische Erlebnis war 1940 der Tod ihres Mannes, der vor ihren Augen ertrank. Nach vielen späteren Partnerschaften sollte sie in Capri einen Gefährten finden, mit dem sie dreißig Jahre zusammenlebte. Hier fand sie auch ihre Bestimmung als Schriftstellerin, die mit Feuilletons, Büchern und Artikeln, gegen den Widerstand der Familie veröffentlicht, auf sich aufmerksam machte.

Wer diese Frau wirklich war, aus Karin Anderts Biografie erfahren wir es. Der ersten überhaupt. Karin Andert hat ein höchst sensibles Porträt einer sicher nicht einfachen Frau mit den „zwei Gesichtern" gezeichnet; ein Persönlichkeitsbild, das die Literaturwissenschaftlerin in den Kontext von Familien- und Zeitgeschichte, die hier zugleich Literaturgeschichte ist, gestellt hat.

Mit Sachkenntnis und sehr viel Feingefühl folgt Karin Andert den Lebensspuren und Ereignissen von Monika Mann nach. Sie kann dabei auf bisher unveröffentlictes Material - so das „New Yorker Tagebuch" und das „Monika-Büchlein" von Katia Mann - zurückgreifen. Erstmals ist Monika Mann, die immer im Schatten von Thomas und Katia Mann und im Schatten ihrer Geschwister stand, auf diese Weise Gerechtigkeit widerfahren.

© Günter Nawe

Karin Andert: „ Monika Mann – Eine Biografie“
PIPER Verlag, 336 Seiten, 10,99 €